Seit Broadcoms VMware-Übernahme rechnet halb Deutschland durch, was Proxmox VE oder OpenNebula wirklich bedeuten. Die Verlängerungsangebote, die ich sehe, liegen beim Drei- bis Fünffachen der alten Rechnung — für denselben Hypervisor. Die gute Nachricht: Der Umstieg ist unspektakulärer, als viele fürchten. Die schlechte: Der einzige Teil, der wirklich Planung braucht, ist genau der, den die Migrations-Slides gern überspringen.
Cluster parallel aufbauen. VMs mit dem eingebauten Import-Assistenten einzeln rüberziehen. Validieren. Umschalten. Die alte Umgebung bleibt als Fallback stehen, bis das Vertrauen da ist. Ausfallzeit: Minuten pro VM, nicht Stunden.
Das Kopieren virtueller Festplatten ist 2026 ein gelöstes Problem.
Die Frage, an der Migrationen wirklich hängen, lautet nicht „Wie kommt die VM rüber?", sondern: „Behält die VM ihre IP — und wer sagt das dem Rest des Netzes?"
Solange alte und neue Umgebung in derselben Layer-2-Domain hängen, ist das trivial: gleiche Broadcast-Domain, die VM zieht um, niemand merkt es. Sobald der neue Cluster aber in einem anderen Segment, hinter L3 oder in einer EVPN/VXLAN-Fabric steht, wird aus „umziehen" ein eigenes Teilprojekt: Der neue Standort der VM muss ihre Adresse announcen können — sonst zeigt das Routing weiter auf die alte Umgebung, und der Traffic läuft ins Leere.
Wer diese Frage in der Cutover-Nacht klärt statt in Phase 1, hat die 2-Uhr-Anrufe verdient.
Es gibt im Wesentlichen drei Wege — und die Wahl entscheidet über den ganzen Migrationsplan:
Und dann die unspektakuläre Liste, die trotzdem zubeißt: MTU/Jumbo über den neuen Underlay, First-Hop-Redundanz (VRRP/Anycast), DNS und Reverse-Zonen, die VIPs der Load Balancer — und die Mikrosegmentierung: Ihre Sicherheitszonen dürfen beim Umzug nicht stillschweigend verloren gehen.
Fünf davon sind Handwerk. Nummer 3 ist Architektur — und die entscheidet, ob die Migration ein Kopiervorgang bleibt oder zum Notruf wird.
Der Punkt ist nicht „Proxmox immer". Der Punkt ist, die Entscheidung mit offenen Augen zu treffen — inklusive der Netz-Frage, bevor der erste Euro fließt.
Der Broadcom-Schock ist der Anlass, nicht der Kern. Wer jetzt auf Proxmox oder OpenNebula geht, tauscht nicht nur eine Rechnung gegen eine kleinere — er tauscht Lock-in gegen Kontrolle: offene Plattform, eigene Hardware, DSGVO- und EU-konform, kein Anbieter, der nächstes Jahr die Preisliste neu erfindet. „Souveränität" ist kein Marketingwort, wenn die Alternative die verfünffachte Rechnung für denselben Hypervisor ist.
Und es passt zu dem, wohin die Reise ohnehin geht: Dieselbe souveräne On-Prem-Basis trägt später auch die KI, die Ihre Daten nicht in eine US-Cloud gibt. Aber das ist ein anderer Beitrag.
Das Kopieren ist trivial. Das Netz ist der Job. Wer den VMware-Exit als Storage-Migration plant, erlebt ihn als Netzwerk-Projekt — nur zur falschen Uhrzeit.
Wir klären das Netz — Inventur, Phasen, IP-Erhalt über L2/L3/EVPN und den ehrlichen „Wann bleiben"-Check — bevor die Cutover-Nacht anbricht.
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