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ISMS-Einführung nach ISO 27001

Der praktische Leitfaden für den Mittelstand – von der Gap-Analyse bis zur Zertifizierung

11. Januar 2026 12 Min. Lesezeit

Ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) nach ISO 27001 ist heute mehr als ein "Nice-to-have". NIS2, DORA, Kundenanforderungen und zunehmende Cyberbedrohungen machen systematische Informationssicherheit zur Pflicht. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen den Weg – praxisnah und ohne Berater-Jargon.

Was ist ein ISMS – und was ist ISO 27001?

Ein ISMS (Information Security Management System) ist ein systematischer Ansatz, um Informationssicherheit in Ihrem Unternehmen zu steuern. Es besteht aus Richtlinien, Prozessen, Verantwortlichkeiten und technischen Maßnahmen.

ISO 27001 ist der internationale Standard, der Anforderungen an ein ISMS definiert. Eine Zertifizierung nach ISO 27001 ist der Nachweis, dass Ihr ISMS diesen Anforderungen entspricht.

Gut zu wissen: ISO 27001 ist technologie- und branchenneutral. Der Standard sagt nicht, welche Firewall Sie brauchen – sondern wie Sie systematisch die richtigen Sicherheitsentscheidungen treffen.

Warum sollten Sie ein ISMS einführen?

Die ISO 27001 im Überblick

ISO 27001:2022 besteht aus zwei Hauptteilen:

1. Kapitel 4-10: Das Managementsystem

2. Anhang A: Die 93 Controls

Anhang A enthält 93 Sicherheitsmaßnahmen (Controls) in vier Kategorien:

Wichtig: Sie müssen nicht alle 93 Controls umsetzen. Das "Statement of Applicability" (SoA) dokumentiert, welche Controls für Ihr Unternehmen relevant sind – und warum andere ausgeschlossen werden.

Die 6 Phasen der ISMS-Einführung

1

Initialisierung & Scope-Definition

Dauer: 2-4 Wochen

Definieren Sie den Geltungsbereich (Scope) Ihres ISMS:

  • Welche Standorte, Abteilungen, Prozesse sind betroffen?
  • Welche Assets (Systeme, Daten) fallen in den Scope?
  • Wer sind die relevanten Stakeholder?

Ergebnis: Scope-Dokument, Projektplan, ISMS-Beauftragter benannt

2

Gap-Analyse & Bestandsaufnahme

Dauer: 3-6 Wochen

Ermitteln Sie Ihren aktuellen Status:

  • Inventarisierung aller Informationswerte (Assets)
  • Abgleich mit ISO 27001-Anforderungen (alle 93 Controls)
  • Identifikation von Lücken und Quick Wins
  • Bewertung der bestehenden Dokumentation

Ergebnis: Asset-Inventar, Gap-Report, Maßnahmenplan

3

Risikomanagement

Dauer: 4-8 Wochen

Das Herzstück des ISMS:

  • Definition der Risikobewertungsmethodik
  • Identifikation von Bedrohungen und Schwachstellen
  • Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung
  • Risikobehandlung: Vermeiden, Reduzieren, Übertragen, Akzeptieren

Ergebnis: Risikoregister, Risikobehandlungsplan, Statement of Applicability (SoA)

4

Dokumentation & Maßnahmenumsetzung

Dauer: 8-16 Wochen

Erstellung der Kerndokumentation und Umsetzung von Maßnahmen:

  • Informationssicherheitspolitik
  • Richtlinien (Passwort, Mobile Device, Backup, etc.)
  • Verfahrensanweisungen und Prozesse
  • Technische Maßnahmen (wo nötig)
  • Schulung und Awareness

Ergebnis: Komplette ISMS-Dokumentation, geschulte Mitarbeiter

5

Betrieb & Internes Audit

Dauer: 8-12 Wochen

Leben Sie das ISMS und prüfen Sie es:

  • Mindestens 3 Monate dokumentierter ISMS-Betrieb
  • Durchführung eines internen Audits
  • Management-Review mit der Geschäftsführung
  • Behebung identifizierter Abweichungen

Ergebnis: Audit-Bericht, Management-Review-Protokoll, Korrekturmaßnahmen

6

Zertifizierungsaudit

Dauer: 2-4 Wochen

Das externe Audit durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle:

  • Stage 1: Dokumentenprüfung und Audit-Planung
  • Stage 2: Vor-Ort-Audit – Prüfung der Umsetzung
  • Behebung eventueller Abweichungen
  • Erhalt des ISO 27001-Zertifikats (gültig 3 Jahre)

Ergebnis: ISO 27001-Zertifikat

Zeitplan und Ressourcen

Unternehmensgröße Typische Dauer Interner Aufwand
Klein (bis 50 MA) 6-9 Monate 0,3-0,5 FTE
Mittel (50-250 MA) 9-12 Monate 0,5-1 FTE
Groß (250+ MA) 12-18 Monate 1-2 FTE
Tipp: Mit externer Beratung kann die Einführung um 30-50% beschleunigt werden – und Sie vermeiden typische Fehler, die zu Audit-Abweichungen führen.

Typische Kosten

Kostenart Klein Mittel Groß
Beratung (extern) 8.000-15.000 € 15.000-40.000 € 40.000-100.000+ €
Zertifizierungsaudit 5.000-8.000 € 8.000-15.000 € 15.000-30.000 €
Tools (optional) 0-3.000 €/Jahr 3.000-10.000 €/Jahr 10.000-50.000 €/Jahr
Überwachungsaudits (jährlich) 3.000-5.000 € 5.000-10.000 € 10.000-20.000 €

Die häufigsten Fehler – und wie Sie sie vermeiden

1. Zu großer Scope

Fehler: "Wir zertifizieren gleich das ganze Unternehmen."
Lösung: Starten Sie mit einem überschaubaren Scope (z.B. IT-Abteilung + kritische Prozesse). Erweitern Sie später.

2. Papier-ISMS ohne gelebte Praxis

Fehler: Perfekte Dokumentation, aber niemand hält sich daran.
Lösung: Erstellen Sie realistische Richtlinien. Schulen Sie kontinuierlich. Prüfen Sie die Einhaltung.

3. Fehlendes Management-Commitment

Fehler: Die Geschäftsführung sieht ISMS als "IT-Projekt".
Lösung: ISMS ist Chefsache. Binden Sie die GF aktiv ein (Management-Review, Ressourcenfreigabe).

4. Überdimensioniertes Risikomanagement

Fehler: 500 Risiken in Excel, die niemand mehr pflegt.
Lösung: Fokussieren Sie auf die wesentlichen Risiken. Qualität vor Quantität.

5. Kein internes Audit vor dem Zertifizierungsaudit

Fehler: Direktes Zertifizierungsaudit ohne Selbstprüfung.
Lösung: Das interne Audit ist Pflicht – und Ihre Generalprobe. Nehmen Sie es ernst.

Checkliste: Sind Sie bereit für ISO 27001?

  • ☐ Geschäftsführung steht hinter dem Projekt
  • ☐ Budget für Beratung und Zertifizierung ist freigegeben
  • ☐ Ein ISMS-Verantwortlicher ist benannt (intern oder extern)
  • ☐ Scope ist grob definiert
  • ☐ Mindestens 6-12 Monate Projektlaufzeit sind eingeplant
  • ☐ Wichtige Stakeholder sind informiert

Alternativen zur vollen ISO 27001-Zertifizierung

Nicht jedes Unternehmen braucht sofort eine Zertifizierung. Alternativen:

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